Die goldene Adele, Klimt und die Familie Bloch-Bauer

532Hubertus Czernin: Die Fälschung

Im Jahr 2015 wurde ein Teil des Lebens von Maria Altmann verfilmt. Sie, gespielt von Helen Mirren, emigrierte nach Amerika, während ihre Familie in enteignet und ausgelöscht wurde. Gegenstände der Enteignung waren Firmenbesitz, Wohnungen und Kunstgegenstände, unter anderem Klimts berühmtes Gemälde Die Frau in Gold, auf dem Maria Altmanns Tante Adele Bloch-Bauer abgebildet ist.

Ich kann den Film jedem sehr ans Herz legen, bei mir löste er den Wunsch aus, mehr über das Thema der Enteignungen und Restitutionen zu erfahren, sodass ich mir dieses 1999 erschienene, zweibändige Buch zulegte, das in Restexemplaren noch über den Verlag zu bekommen ist.

Hubertus Czernin untersucht chronologisch, welche Bilder sich vor dem Anschluss in Familienbesitz befanden (vorrangig geht es um die Bilder Gustav Klimts, doch nachgestellt geht es auch um Bilder von Rudolf von Alt und um eine Porzellansammlung, sowie ebenfalls am Rande um die Immobilien und Firmenanteile) und wohin diese Bilder durch Hand der Nazis verschwanden. Doch hier setzt ein großes Thema erst an, nämlich wie der Kunstbetrieb Wien nach 1945(!) dafür sorgte, dass diese Bilder nicht mehr zurück zu ihren rechtmäßigen Eigentümern gelangten.

Das Werk besteht aus zwei Bänden, Seitenzahlen laufen durch beide Bücher. Es ist insgesamt sehr wissenschaftlich, es werden Briefe, Testamente etc. zitiert und auch abgebildet. Hubertus Czernin muss sehr, sehr intensiv recherchiert haben und zeigt so genau wie es nur geht, welchen Lauf die Bilder machten. Zum Einstieg eignet sich dieses Buch nicht, aber jeder, der wirklich verstehen will, wie die Kunstenteignungen stattfanden, muss dieses Buch lesen!

Viele Exemplare gibt es derzeit nicht mehr; meines erhielt ich direkt über den Czernin Verlag. Hier findet man alle weiteren Infos.

36183 Elisabeth Sandmann: Der gestohlene Klimt. Wie sich Maria Altmann die goldene Adele zurückholte.

Einen anderen Ansatz verfolgt Elisabeth Sandmann mit ihrem Buch von 2015. Ihr Buch ist populärwissenschaftlich und mit vielen Bildern gespickt, unter anderem von den verschiedenen Gemälden, von Klimt oder von Maria Altmann. Sie skizziert die Geschichte der Familie Bloch-Bauer grob, berichtet über die Enteignungen im dritten Reich, bis es am Ende darum geht, wie Maria Altmann sich ihren Klimt zurückholte.

Dieses Buch eignet sich eher für den Einstieg ins Thema: Es ist kompakt, liest sich schnell und ist spannend geschrieben. Vor allem farbige Fotos zu den Bildern zu haben, ist toll. Leider hebt es das Unrecht, dass den Erben nach 1945 vom Österreichischen Staat angetan wurde, für mich nicht stark genug hervor. Genau das ist das Hauptanliegen von Czernin im vorigen Buch (womit er auch überaus erfolgreich war: Erst er brachte viele Menschen zum Nachdenken über dieses Thema).

Hier gibt es weitere Infos zum Buch.

…und ich sehe mir jetzt unbedingt nochmal den Film an!

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