Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters

9783716027509Memory sitzt im Gefängnis in Simbabwe. Sie ist dort die einzige Frau mit Todesstraße. Und sie ist eine schwarze Frau mit Albinismus.

Das Buch ist Memorys Erzählung ihres Lebens, angefangen bei ihren Eltern in einem Township, über ihr Leben bei dem Mann, an den ihre Eltern sie verkauft haben und bei dem sie aufwuchs, bis zu ihrer Zeit im Gefängnis.

Ihre Erzählung beginnt zögerlich, es geht zunächst nur um das Leben in diesem Gefängnis, über die Wärterinnen und ihre Schikanen, und um ihre Mitgefangenen. Ich denke, dass Petina Gappah gut recherchiert hat und kann mir gut vorstellen, dass die Verhältnisse in einem Frauengefängnis in Simbabwe so sind, wie sie es beschreibt, nämlich ganz schön krass. Nichts mit europäischen Hygienestandards und anständigen Wärterinnen.

Ich las, dass Petina Gappah die Idee zu diesem Buch bekam, als sie in einer Zeitung las, dass in ganz Simbabwe eine einzige Frau auf ihre Hinrichtung wartete. Die Einsamkeit, die diese Frau verspürt haben musste, inspirierte sie zu dieser fiktiven Geschichte.

Memory scheint durch das Erzählen mehr und mehr an Mut zu gewinnen, und die beginnt, auch von ihrer Kindheit zu erzählen, die sehr schwierig war, auch wenn sie das selbst wohl nie so gesehen hat, weil es für sie normal war: Zwei ihrer Geschwister starben, ihre Mutter litt wohl an Depressionen und konnte sich oft nicht um die Kinder kümmern, und aufgrund ihres Albinismus war sie unendlich vielen Vorurteilen und Ausgrenzungen ausgesetzt, oftmals, da sich andere Menschen fürchteten sich anstecken zu können.

Spät im Buch nähert sie sich dann dem ihrem Schwersten Thema: Dem Grund, aus dem sie im Gefängnis sitzt.

Literarisch ist Die Farben des Nachtfalters extrem gut. Die Autorin hat eine komplexe und schlüssige Handlung aufgebaut, die spannend und interessant ist. Mir ist auch die Autorin sehr sympathisch. Sie schreibt kritisch über vieles Unrecht, doch sie zeigt zugleich Verständnis für die Menschen, die es begehen, indem sie ihre Gründe darlegt.

Leider fehlt mir der persönliche Bezug zu diesem Buch; irgendwas, dass mich mit Memory oder ihrer Lage verbindet, das dafür sorgt, dass ich mich in sie oder eine andere Person hineinversetzen kann.

Trotzdem war es eine grandiose, anspruchsvolle Lektüre!

45 Weitere Infos und Leseprobe.

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