Emma Cline: The Girls

Cline_25268_MR.inddKalifornien 1969: Die vierzehnjährige Evie hat Probleme mit ihren Eltern, fühlt sich nicht beachtet und anders als ihre Schulkameraden. Da lernt sie die etwas ältere Suzanne kennen und ist hin und weg. Evie will genauso sein wie sie und verbringt immer mehr Zeit mit Suzanne, und damit zwangsläufig auch mit den Menschen, mit denen Suzanne zusammen lebt, allen voran Russel, der ihr Herr und Führer ist, dem sie aufs Wort gehorchen und den sie anhimmeln.

Russel und Gruppe sind angelehnt an Charles Manson. Die Sekte lebt Ende der 60er Jahren, nachdem sie einige Jahre mit einem Bus umhergezogen sind, auf einer Ranch in Kalifornien, ohne Strom und Trinkwasser, bis sie eines Tages auf Anordnung ihres Führers mehrere Menschen brutal umbringen.

In Emma Clines Buch geht es aber gar nicht so sehr um diese Sekte und Russel, sondern vorrangig um dieses unsichere Mädchen Evie, die ihren Lebensmittelpunkt in Suzanne findet, die sie bewundert und anhimmelt. Wie auch die Sektenmitglieder nicht mitbekommen, in welchen Zuständen sie hausen, so verschleiert diese Faszination auch Evies Sicht auf Suzanne. Und auch Evie lässt für diese Person ihre Familie zurück und widmet ihr Leben voll und ganz diesem anderen Mädchen. Die Autorin schafft es wunderbar, dieses Gefühl zu transportieren und Evie zu verstehen.

Doch auch die Rahmenhandlung ist wahnsinnig interessant. Man erfährt leider etwas zu wenig über das Leben in den 60ern, dafür dann mehr darüber, wie das Leben um Charles Manson gewesen sein könnte. Ich fragte mich oft, was Fiktion ist und was übernommen worden ist, sodass ich mir im Anschluss eine Biographie holte (ich entschied mich nach einiger Recherche für The Family von Ed Sanders, in dem man unheimlich viel erfährt, dass aber recht ungewöhnlich geschrieben ist).

Parallel folgen Kapitel aus Evies Sicht viele Jahre später, durch die man recht schnell weiß, dass sie nicht an den Morden beteiligt war. Die Notwendigkeit dieser Kapitel hat sich mir nicht ganz erschlossen; ich denke, man hätte sie eigentlich auch weglassen können.

Letztlich ist Geschichte schlüssig und toll geschrieben und schon deshalb ein wirklich guter Roman. Stil und Thema sind immer Geschmackssache. Letztlich fand ich The Girls sehr gut, doch irgendetwas fehlte mir; vielleicht war es irgendwann im letzten Drittel noch etwas mehr Spannung. Trotzdem: Wenn Emma Cline ein weiteres Buch veröffentlicht, bin ich eine der ersten, die es sich kaufen wird!

45 Weitere Infos und Leseprobe.

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