Sacha Batthyany: Und was hat das mit mir zu tun?

9783462048315_5Sacha Batthyany studierte in Zürich und Madrid und arbeitet mittlerweile als Journalist für den Tages-Anzeiger und die Süddeutsche Zeitung in Washington.

Vor einigen Jahren hörte Batthyany, dass seine Großtante,  Gräfin Margit Thyssen-Batthyány, während einer Feier auf ihrem Anwesen an dem Mord an 180 Juden beteiligt wesen sein soll. „Die Gastgeberin der Hölle“, betitelt sie eine Zeitung. Er begibt sich auf Spurensuche, spricht mit seiner Familie, reist nach Ungarn, Sibirien, Auschwitz und Buenos Aires.

Seine mehrjährige Suche ändert sich in ihrem Verlauf. Sein Großvater war Armeeangehöriger und landete in einem Gulag in Sibirien. Auch darüber recherchiert er viel. Seine Großmutter hatte eine Freundin aus dem Dorf, die in Auschwitz landete. Auch mit ihr spricht er während seiner Recherchen. Letztlich wird aus seiner Suche nach der Wahrheit über seine Großtante eine Beweisaufnahme, welche Einflüsse der Krieg auf seine Familie hatte. Und er stößt auf ein weiteres Familiengeheimnis, das siebzig Jahre lang im Dunkeln lag.

Dadurch, dass Batthyany direkt betroffen ist, ist dieses Buch sehr persönlich. Er schreibt nicht nur über die Ereignisse, sondern auch über die Auswirkungen seiner Erkenntnisse auf andere Menschen und vor allem auf ihn selbst. Er lässt den Leser an seinen Gefühlen und Gedanken teilhaben.

Ein wichtiges Thema nimmt auch die Frage ein „Und was hat das mit mir zu tun?“; eine Frage, die Batthyany selbst gestellt worden ist, voller Verachtung. Während er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, beschäftigt er sich auch immer mit sich selbst. Er besucht einen Psychoanalytiker und schreibt auch über diese Unterhaltungen, in denen es darum geht, was diese Suche mit ihm macht.

Obwohl das Buch so persönlich ist, merkt man auch, dass Batthyany fiel recherchiert hat. Er kennt wichtige Daten und Personen der damaligen Zeit, setzt Familienereignisse in ihren politischen Kontext. Er muss unheimlich viel Zeit in Bibliotheken verbracht haben, unzählige Bücher und Zeitungen gewälzt haben.

Doch nicht nur der Inhalt des Buches ist spannend. Batthyany kann auch gut schreiben. Er arbeitet viel mit wörtlicher Rede, wodurch vieles Verständlicher wird, aber eben auch Meinungen anderer Personen Ausdruck finden. Er hat auch viele Tagebucheinträge einfließen lassen, die das Geschehene greifbarer machen.

Und was hat das mit mir zu tun? hat mich sehr beeindruckt. Ich bewundere Batthyany, dass er sich mit diesem schweren Stück Familiengeschichte auseinander gesetzt hat, und ihm ist ein äußerst empfehlenswertes Buch gelungen.

55 5/5 Sterne. Weitere Infos und Leseprobe.

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