Marceline Loridan-Ivens: Und du bist nicht zurückgekommen

17660Marceline Loran-Ivens wurde 1928 als Marcelina Rozenberg geboren und 1944 nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Sie lebt in Paris.

Im März 1944 wurden Marceline und ihr Vater deportiert. Die 15-jährige landet in Birkenau, ihr Vater in Ausschwitz. Im Lager haben beide kurz Kontakt. Als Marceline nach dem Krieg nach Hause zurückkehrt, ist ihr Vater nicht zurückgekommen – und wird es auch nie. In diesem 111-seitigem Büchlein schreibt Marceline ihrem Vater einen Antwortbrief auf seinen Brief, den er ihr im Lager zustecken ließ, an dessen Text sie sich aber nicht erinnern kann.

Sie schreibt über die Zeit im Lager, die Befreiung, das Ankommen zu Hause und ihr späteres Leben. Und über den großen Verlust, den zum einen der Tod ihres Vaters verursacht hat, und der zum anderen dadurch zustande kommt, das ein Teil von ihr in Birkenau blieb.

Dieser Brief ist sehr berührend und eindrucksvoll. Sie erzählt von ihrer schwierigen Ankunft zu Hause, den Konflikten mit Ihrer Mutter, die sie nicht verstand. Sie erzählt davon, das sie sich fragte, ob sie als Vollwaise nicht besser dran wäre, denn dann hätte sie die anderen Überlebenden, die sie verstanden und so waren wie sie.

Marceline ist der Überzeugung, das ihr Vater sie verstanden hätte. Mit ihm wäre ihr Leben anders und besser verlaufen. Hätte er sich für ein Leben in Israel entschieden, wäre sie mit ihm gegangen, schreibt sie. Ich denke, sie hat ihren Vater zum Helden stilisiert, was ihrem Leben sicher nicht immer gut tut. Doch sie sieht auch, das nicht nur sein Verlust prägend für sie war, sondern natürlich auch das Lager.

Man spürt sein Leben lang, dass man zurückgekommen ist.

Erst nach 70 Jahren schaffte es Marceline Loridan-Ivens diesen Brief zu schreiben. Trost spenden kann er ihr nicht, sagt sie, doch er mildert die Beklemmung. Sie hat ein eindrucksvolles Selbstbildnis geschaffen! Mich hat dieser Text sehr berührt.

55

5/5 Sternen. Weitere Infos und Leseprobe.

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