Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Gardam_24924_mit_BS_MR1.inddJane Gardam ist Jahrgang 1928 und genießt in ihrer Heimat England großes Ansehen. In Deutschland war sie bis zur Übersetzung von Ein untadeliger Mann weitgehend unbekannt. Die Übersetzung stammt übrigens von Isabel Bogdan.

Edward Feathers, auch Old Filth genannt, blickt nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau Betty auf sein Leben zurück und muss mit der plötzlichen Einsamkeit zurechtkommen.

Geboren wurde er zur Kolonialzeit in Malaya. Seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater widmete sich dem Alkohol. So wuchs Edward bei der Tochter der Amme auf, bis er eines Tages zur Erziehung und Bildung nach England geschickt wurde. So teilte er das Schicksal vieler Raj-Weisen, die ohne Eltern und oftmals ohne Zuneigung in einer ihnen fremden Heimat aufwuchsen.

Old Filth kehrte nach dem Studium zurück nach Asien und wurde in Hong Kong überaus erfolgreich Anwalt.

Ich griff zu diesem Buch, weil es überall so hochgelobt worden ist: Von Bekannten und Medien. Eigentlich wäre es mir wohl zu fern von meinem eigenen Leben gewesen: Nicht mal ansatzweise meine Generation, keine Schnittpunkte mit meinem Leben. Old Filth ist nach außen hin immer beherrscht und korrekt. Er trägt seit mindestens sechzig Jahren die gleiche Kleidung! Kann sich das jemand vorstellen? Mit über 80 die Kleidung zu tragen, die man mit zwanzig getragen hat?

Edward Feathers war mir zwischendurch nicht sonderlich sympatisch. Das änderte sich zum Ende hin, denn dann beginnt er, seine Gefühle zuzulassen und etwas lockerer zu werden. Im mittleren Drittel war meine Motivation beim Lesen eher seine Ehefrau Betty. Ich wollte mehr über sie und ihr Leben wissen (was man in der Fortsetzung Eine treue Frau erfahren wird). Im ersten Drittel ging es mir vor allem um Edwards Vergangenheit in Malaya und die ersten Jahre in England. Ich war also die ganze Zeit sehr gefesselt, das mittlere Drittel empfand ich aber als etwas schwächer, störend empfand ich manchmal auch die plötzlichen Zeitsprünge in der Erzählung.

Man erfährt wahnsinnig viel über die Kolonialgeschichte des British Empire und über das Leben in England rund um den zweiten Weltkrieg (Queen Mary hat einen Gastauftritt), und ich habe während dem Lesen unglaublich oft zum Handy gegriffen, um dies und jenes noch einmal genauer im Internet nachzulesen.

Jane Gardam schuf eine unglaublich ausführliche Geschichte, die ich mir aber immer nur noch ausführlicher gewünscht hätte! Bleibt zu hoffen, das nun auch ihre älteren Werke übersetzt werden, während ich nun erstmal zur Fortsetzung greife!

45

 

4/5 Sternen. Weitere Infos und Leseprobe.

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2 Gedanken zu “Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

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